Über den zwölften Mann...

Es ist Samstag, letzter Bundesliga-Spieltag, circa Fünf nach Fünf. Es ist der Moment, wo im ehemaligen Ulrich-Haberland-Stadion der Gästeblock förmlich explodiert. Nicht, dass es vorher leise gewesen wäre. Nicht, dass vorher keine Action im Block gewesen wäre, zumindest deutlich mehr als bei den Pillendrehern auf der anderen Seite. Doch was in dem Moment passiert, als Schwedenhappen Rosi eiskalt zum 1:0 für Werder einnetzt, ist unbeschreiblich. Wieder vor dem heimischen Fernseher sehe ich die Szene nochmals und entdecke auch auf der Tribüne eine mir bestens bekannte Person, die unvorstellbare Luftsprünge vollführt. Michael Jordan wäre neidisch geworden. Ich hoffe nur, mein behandelnder Arzt sieht diese Szenen nicht, schließlich hat er mich erst vor kurzem am Knie operiert und mir Sport untersagt...

?Ohne unsere Fans hätten wir diese Saison nicht so gut abgeschlossen.? ?Wer weiß, wo wir ohne unsere Fans gelandet wären.? ?Unsere Fans waren wieder einmal Weltklasse und haben uns förmlich zum Sieg getrieben!? Klar, jeder kennt diese Aussagen, und jeder, der bei entscheidenden Spielen auf der richtigen Seite gestanden hat, kann diese Aussagen auch nachfühlen. Es ist nun mal ein geiles Gefühl, wenn das ?richtige? Team die Meisterschaft holt, den Klassenerhalt schafft oder sich für die dritte Liga qualifiziert.

Aber hat das dann wirklich etwas mit den Fans zu tun? In Amerika wurden vor einiger Zeit Zweifel daran laut. In einer Studie wurde darauf verwiesen, dass es keinen echten Heimvorteil gibt und dass die Unterstützung der Fans keinen Einfluss auf die Ergebnisse hat. Naja, Amerika halt... Zum Glück leben wir hier in Europa, und da ist die Sache ja nun doch etwas anders. Da reicht es schon, wenn in der Kreisklasse die alten Opas am Spielfeldrand mal lospoltern (?EY, sowatt hätt dat aber zu unserer Zeit nicht gebeben. Da hätten wa ne Pfeife wie dich gleiche anne nächsten Baum aufjeknüpft...?), und schon pfeift der Schiedsrichter etwas besser und fühlen sich die Gegner bei weitem nicht mehr so wohl. Oder wer kennt es nicht, wenn die Zweite Mannschaft schon mit leicht stierem Blick am Spielfeldrand lungert, eine Hülse nach der anderen verhaftet und die Erste nach vorne brüllt? Um es mit den Worten von Gerd Rubenbauer zu sagen: ?Jetzt stehen die Fans im wahrsten Sinne des Wortes VOLL hinter ihrer Mannschaft.?

Natürlich gibt es auch Typen, die darauf stehen, angepöbelt zu werden. Etwa Mario Basler: ?Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55 000 Zuschauer 50 000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit Arschloch begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich.? Oder auch Ulf Kirsten. ?Wenn bei einem Auswärtsspiel keiner ruft: "Kirsten, Du Arschloch", dann weiß ich genau, dass ich schlecht bin.?

Fakt ist auf jeden Fall, ohne echte Fans wäre alles nur halb so schön, sowohl das Spielen auf dem Platz als auch das Anfeuern in der Kurve. Und das gilt für die Bundesliga genauso wie fürs Dorf und erst recht natürlich auch für die Uni-Liga. Schließen möchte ich daher mit den Worten Andreas Brehmes: ?Bedanken möchten wir uns auch bei den Fans, auf denen wir uns immer verlassen konnten.?

Bis zum nächsten Mal, und immer dran denken: Pyromanen ha?m immer Feuer...

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